Archiv der Kategorie: Meine Gedanken

Immer wieder sonntags…

Guten Morgen ihr Lieben,

als bekannte Frühaufsteherin (nach acht Stunden Schlaf bin ich einfach fit) habe ich mich heute Morgen mit den besten Absichten noch ein wenig zu schlummern an mein Herzblatt geschmiegt- aber nach 20 Minuten war ich so hellwach, dass ich einfach aufstehen musste. Ich kletterte also mit so wenig Krach& Bewegung aus unserem Bett (wenn mich jemand dabei filmen würde hättet ihr echt was zu lachen ;)), schlüpfte in meine Hausschuhe und schlich in den Flur. Als erstes öffne ich morgens diverse Fenster- die frische Herbstluft möchte schließlich herein gelassen werden. (Ich empfinde den Geruch der Lust jedenfalls schon als herbstlich und wie ich ihn liiiiiebe! Der Herbst ist nämlich meine liebste Jahreszeit- dazu aber wann anders mehr) Dann gehts ab in die Küche und jeden Morgen stellt mich da die Küchentür vor eine neue Herausforderung sie so leise es geht zu schließen. Kaffemaschine an, Milch aus dem Kühlschrank holen& in den Milchaufschäumer gießen, Tasse unter die Kaffeemaschine stellen- alle Griffe sind automatisiert.

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Wir haben von seinen Eltern diesen Vollautomaten geliehen bekommen und sind bis dato sehr zufrieden. Nach vielem ausprobieren haben wir dafür die ganzen Kaffeebohnen aus dem Aldi Süd für uns entdeckt und zwar die Biobohnen. Alle anderen waren uns zu stark oder haben einafch nicht geschmeckt.

Mein Milchaufschäumer ist von Nespresso und seit zwei Jahren bin ich damit sehr zufrieden. Man kann damit die Milch nur erwärmen oder zauberhaften Milchschaum herstellen. Laut Hersteller gibt es auch einen Knopf für kalten Schaum, aber ich möchte ja gerade erhitzte Milch, damit mein Kaffee länger warm bleibt. Für den Schaum benutze ich immer frische fettarme Milch, aber das kann jeder ja so machen wie er mag.

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Hier nun ein Bild mit dem fertigen Milchkaffee samt Schaum:

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Und noch ein von unserem schönen Balkon samt Heide im Hintergrund- damit wir uns herbstlich einstimmen können:

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Zum Abschluss möchte ich euch nochmal sagen, wie sehr ich diese Ruhe am Morgen genieße. Wenn der Herzmann noch vor sich hin schlummert, die Vögel draußen zwitschern, die Nachbarn zum größzen Teil noch schlafen und der Tag langsam erwacht. Am liebsten stelle ich mich dann kurz auf den Balkon, die Händer an der wärmenden Kaffeetasse und atme tief die frische Luft ein. Da wir nicht mitten in der Stadt wohnen ist die Luft bei uns schon fast ein wenig ländlich und man schnuppert u.a. den nahenden Herbst, den Garten, den Lavendel der auf unserem Balkon steht, …

Habt nun einen zauberhaften Sonntag.

Mit der Hoffnung wächst der Mut…

Das Thema ist allgegenwärtig- Flüchtlinge. In unserem Städtchen bedeutet das: innerhalb von einem Tag eine Unterkunft für 150 Menschen finden.

Aber wohin?? Woher bekommen sie Kleidung, Bettwäsche, Spielzeug?? Deutschuntericht?? Gibt es auch Kinder???

Um auf diese ganzen Fragen eine Antwort zu erhalten besuchten meine Freundin und ich eine Bürgerversammlung zum besagten Thema (da so viele Leute an dem Thema interessiert waren mussten wir sehr rasch von einem kleinen Gemeinderaum in die große Kirche umziehen- sonst hätten gar nicht alle an der Versammlung teilnehmen können). Und noch im Verlauf der ganzen Diskussionen, Anschuldigungen und Fragen der Bürgerinitiative stand für uns zwei sehr schnell fest: wir wollen aktiv werden! Wir wollen auch den Kleinsten etwas bieten.

Gesagt, getan. Voller Tatendrang und mit einer Auflistung diverser Fragen nahmen wir eine Woche später den Termin mit unserer zugeteilten Ansprechpartnerin wahr. Diese gab uns das Okay jeden Donnerstag für 1- 2 Stunden (wir sind bis dato bei einer Stunde geblieben, da die Kids (und wir auch!) nach dieser einen Stunde fix& alle sind ;-)) mit den Kindern zu spielen, sie zu lehren und einfach für sie da zu sein.

Am folgenden Donnerstag betraten wir mit einem etwas mulmigen Gefühl das FC Gelände (FC= FlüchtlingsCamp)- schließlich hatten wir keine Ahnung was auf uns zukommen würde, ob die Kids überhaupt Lust hatten oder die Eltern keine Fremden an ihre Kinder lassen wollten. Nach einigen scheuen Blicken um die Lage zu checken begannen wir mit Straßenkreide Bilder zu malen, Hände abzuzeichnen und im Verlauf einen kleinen Hüpfparcours zu gestalten. Kinder SOWIE die Erwachsenen nahmen unsere Angebote nach anfänglicher Scheu begeistert an. Nachdem der erste Kontakt hergestellt war, begannen wir mit unserem Lied, wozu wir uns einfache und passende Bewegungen ausgedacht hatten, die leicht nachzuahmen waren.

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Es folgten verschiedene einfache Spiele, welche die Kinder sehr schnell erlernten. Das Miteinander der Kids dort ist ein ganz anderes wie wir bis dato kannten, rauer/ jeder dachte hauptsächlich an seine Vorteile/ aber auch liebevoll den Kleinsten gegenüber. Die Verabschiedung fiel nach einem Abschlusslied hherzzherzzerreißend aus- viele Kinder rannten hinter uns her, zupften an unserer Kleidung und wollten uns nicht gehen lassen.

An den folgenden Terminen hat es u.a. geregnet, weswegen wir natürlich nicht unser Programm im Freien umsetzen konnten. Dafür hatten wir in weiser Voraussicht Tiere angemalt und laminiert, welche wir zunächste mit den Kinder besprachen (Name auf deutsch, Laute des Tieres) und sie diese dann unbedingt abzeichnen wollten.

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Dabei ist auch diese wundervolle Bild eines ca 11 Jährigen entstanden:

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Heute war es nun anders als an allen Tagen.

Urplötzlich begann im Nebenraum einen Konflikt, wir hörten Schreie, Krach und spürten förmlich die aufgeheizte Stimmung. Ohne uns anzuschauen versuchte ich alle Kinder in einen anderen Raum „zu treiben“, während meine Freundin die Lage zu überblicken versuchte und nach einer Hilfsperson Ausschau hielt. Das ganze Geschehen verlagerte sich im Verlauf vor unser FC- Gebäude; immer wieder wollten die Kinder aus den Fenster schauen um zu sehen, was wohl los sei. Der Fernseher und ein aufmerksamer FC’ler kamen uns in dem Moment zu Gute. Denn die Musik im TV animierte uns zu tanzen und plötzlich fanden wir uns alle in einer langen Polonaise wieder, an die sich immer mehr Menschen reihten und fröhlich das Tanzbein schwungen. Alle lachten, grölten das Lied mit (welches eigentlich keinen Text hatte, aber das war in dem magischen Moment egal!) und filmten dieses zauberhafte Ereignis.

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Viele Kinder hatten auch nach diesem Tag wieder Tränen in den Augen als es zur Verabschiedung kam, hielten sich an uns fest und bettelten, dass wir bleiben sollten. Als wir das FC- Gelände nach vielen Küsschen, Umarmungen und Drückern schließlich verlassen konnten waren auch unsere Augen gerötet- denn an keinem Tag wurde uns die Not der Kinder so bewusst wie heute. Dennoch können wir uns sicher sein, dass wir mit unseren Liedern, den Spielen und vor allem der Polonaise heute einen wertvollen Teil dazu beigetragen haben, dass sie eine schöne und ausgelassene Zeit hatten; dass sie Kind sein durften; dass sie den Gewaltausbruch nicht so sehr mitbekommen haben und einfach als Mensch beachtet wurden.

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